Post vom Amt für Natur und Umwelt

Anfang Mai haben wir Post vom Kreisumweltamt bekommen.
Leider keine erfreuliche Post, sondern eine Anzeige.
Wir haben erstmal ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut, als wir den Brief gelesen haben. Mal abgesehen davon, dass er in so typischem Amtsdeutsch verfasst worden ist (Paragraph xyz, Absatz bla bli blubb und siehe Paragraph abc ….), haben wir auch überhaupt nicht verstanden, warum wir diesen Brief bekommen haben.
Wir sind angezeigt worden, weil wir angeblich 10m der „schützenswerte Hecke“ gerodet haben! Und das ist in der Vogelschutzzeit vom 1. März bis 30. September natürlich streng verboten und wird mit einer Geldbuße von bis zu 30.000 € geahndet! 😯

Da ich (die Bauherrin) wohl genetisch bedingt einfach der emotionalere Part bin, habe ich mir sofort mein Telefon geschnappt und bei der Dame, die die Anzeige verfasst hat, angerufen.
HIMMEL…was für ein Gespräch! Mal abgesehen davon, dass die gute Frau überhaupt nicht wußte, wovon ich spreche, obwohl sie den Brief doch erst einen Tag vorher aufgesetzt und abgeschickt hatte, machte sie auf mich einen generell sehr überforderten Eindruck. Sie konnte anfangs weder mit unserem Namen, noch mit dem „Fall“ an sich etwas anfangen.
Ich habe ihr gesagt, dass wir nicht verstehen, was diese Anzeige soll, immerhin wären wir laut Bebauungsplan dazu verpflichtet eine Weißdornhecke zu pflanzen. Ursprünglich stand hier wohl vor Jahren mal eine Hecke, aber da es sich hier mittlerweile nur noch um Brennesseln und Brombeersträucher handelt, haben wir diese jetzt entfernt, um dann eben Weißdorn neu anzupflanzen.
Bebauungsplan?? Was für ein Bebauungsplan?? 😡 Ich dachte, ich höre nicht richtig! Sollte man sich nicht vorab einfach mal genauer informieren, bevor man Anzeigen verschickt???
Da sie aber wohl am Telefon nicht mehr dazu sagen konnte oder wollte, hat sie dann nur gesagt, wir hätten ja das Recht uns zu äußern und dann würde der Fall geprüft.
Ja das steht auch in dem Brief…so ähnlich zumindest.
Ungefähr so muss die Hecke vor Jahren ausgesehen haben, bevor die Grundstücke zum Verkauf standen:

(c) Google Maps

(c) Google Maps

Der Bauherr hat sich dann hingesetzt und einen 4 seitenlangen Brief mit Fotos verfasst. Glücklicherweise hatten wir ja im April 2013 jede Menge Fotos gemacht, als hier die Kanalarbeiten (ebenfalls in der Vogelschutz-Periode) begonnen haben und sowohl Hecke, als auch Straße schwer beschädigt wurden. Diese Bilder haben wir damals an die Stadt geschickt, damit hinterher niemand sagen kann, wir hätten da irgendwas zerstört. Damals haben wir mehr an die Straße gedacht und nicht an die Hecke! Glücklicherweise haben wir aber sogar noch die Eingangsbestätigung vom Amt.
Damals sahen Straße und „schützenswerte Hecke“ so aus:


Da in diesem Frühjahr auf unserer Straßenseite Halteverbotsschilder aufgestellt worden sind (dazu vielleicht später auch nochmal mehr) und ich so begeistert war, habe ich diese sofort fotografiert und dem Bauherren geschickt. Auf diesen Fotos kann man sehr gut erkennen, in welchem Zustand die „Hecke“ war. Gräser, Disteln, Brennesseln und einige vertrocknete Brombeersträuche. So konnten wir ziemlich detailiert aufzeigen, dass es zumindest auf unserem Teil keine schützenswerte Hecke gibt/gab und wir auch keine Behausungen für brütende Vögel zerstört haben.
Angeblich gerodete Hecke
Am nächsten Tag haben wir den Brief sofort beim Umweltamt eingeschmissen…man will  ja schließlich keine Frist versäumen. 🙂
Anfang der Woche haben wir dann nochmal bei der Dame angerufen, weil wir wissen wollten, ob sie den Brief bekommen hat und evtl. noch weitere Unterlagen braucht. Tja…die Dame war nur leider nicht zu erreichen. Die war nämlich im Urlaub! Ähm ja und wieso hatte sie davon am Freitag nichts am Telefon gesagt, bzw. wieso setzt sie uns eine Frist von einer Woche, wenn sie selbst 2 Wochen im Urlaub ist??? Schlimmer fand ich allerdings, dass es zwar eine Vertretung gab, die aber in einer ganz anderen Abteilung tätig war und somit auch nicht wusste, worum es ging, bzw. auch gar nicht wusste, wie das jetzt weiter geht. Sie hat uns dann vertröstet und meinte, sobald der Brief da wäre, würde sie sich alles mal durchlesen und sich dann mal melden. Das hatte sie wohl in dem Moment vergessen, als sie den Hörer aufgelegt hat. 😉

Während wir auf Antwort vom Amt gewartet haben, hat das ganze Thema natürlich auch hier die Runde gemacht. Viele haben gesagt, dass wir sie gerne als Zeugen benennen dürfen, dass hier die letzten drei-vier Jahre keine Hecke gestanden hat, sondern nur Unkraut gewuchert ist und man doch froh sein sollte, wenn wir jetzt endlich eine richtige Hecke pflanzen, die dann auch wirklich verschiedenen Vögeln und Tieren Schutz bieten kann.
Dieser Rückhalt war vor allem für mich eine große Erleichterung. Die Anzeige selber, war laut Amt nämlich anonym! Klar, ob das wirklich so ist oder der „Anzeigenden“ nur geschützt werden sollten, das weiß man nie. Aber ich habe mich wirklich gefragt, wer uns da einen auswischen wollte.
Wir kommen beide selber aus kleinen Dörfern, kennen das Landleben also. Aber bevor man da zum Amt gerannt ist, hat man erstmal miteinander gesprochen. Hat die Leute versucht auf ihre Fehler aufmerksam zu machen, bzw. hat auch erstmal nachgefragt, ob das alles so richtig ist. Der Gang zum Amt wäre immer erst der aller letzte Schritt gewesen, wenn die Fronten total verhärtet gewesen wären.
Allerdings wissen wir auch, dass es hier im Dorf Menschen gibt, die das neue Baugebiet nicht so gerne gesehen haben. Aber ist sowas gleich ein Grund für so viel Ärger??
Oder hat irgendein städtischer Mitarbeiter gesehen, dass da was gemacht wurde, dann mal beim Amt nachgefragt und die haben sich dann einfach der Bilder von google maps bedient und darauf hin diese Anzeige geschrieben. Blöd nur, wenn diese Bilder von 2007 sind!

Wie auch immer es zu dieser Anzeige gekommen ist…Dank unseres ausführlichen, mit Fotos übersätem Brief, konnten wir beweisen, dass wir keine Hecke zerstört haben, sondern nur die Fläche vor unserem Haus von Unkraut befreit haben, um jetzt dann alles zeitnah zu bepflanzen…wie im Bebauungsplan gefordert. Anzeige fallen gelassen. 🙂

Verfahren eingestellt

So ungefähr sah es bis vor 2 Wochen aus:Unkraut weg!Wir haben nicht nur die „immense“ Menge an Brombeeren (siehe Markierung) entfernt und klein geschnitten, sondern auch ca. 20m an Stacheldraht, die selbe Menge an Weidezaundraht, eine Tonne voll Müll (Flaschen, Becher, Dosen, etc.), diverse alte Holzzaunpfosten und eine Bordsteinkante heraus geholt. Der „Hügel“ soll jetzt zum Haus bzw. zur Zufahrt hin mit L-Steinen gestützt werden. Danach wollen wir, wie im Bebauungsplan vorgegeben und ähnlich wie es unsere Nachbarn schon getan haben, neu mit Weißdorn bepflanzen.

In der Zeit zwischen Anzeige und „Erlösung“ haben wir natürlich erst einmal nicht weiter gemacht…. ob das für die Natur zum Vorteil lassen wir an dieser Stelle einfach unbeantwortet…