Halteverbot auf unserer Straßenseite

Wir haben es ja schon mal kurz angeschnitten…seit April ist auf unserer Straßenseite absolutes Halteverbot.
Unser Grundstück liegt direkt gegenüber einer Grundschule. Uns war von Anfang an klar, dass das eben auch heißt, dass man die Schulglocke hört, dass man die Kinder in den Pausen hört und das eben auch zu gewissen Zeiten mehr los ist, wenn Kinder gebracht oder abgeholt werden.
Was uns allerdings nicht klar war…es wimmelt nur so von sogenannten „Helikopter-Eltern“. 🙂
Während wir noch zu Kindergarten und Schule gelaufen sind, scheint es so, als wird hier nahezu jedes Kind von den Eltern mit dem Auto zur Schule gefahren. Ob es im Dorf wohnt oder nicht. Klar, seit es die freie Wahl der Grundschule gibt und man nicht mehr auf bestimmte Einzugsgebiete achten muß, kann man den Schwerpunkt auf andere/individuellere Kriterien legen. Nachteil ist eben, dass man unter Umständen einen längeren Schulweg in Kauf nehmen muß.
Während wir noch mit dem Bus gefahren sind, übernehmen den Fahrdienst heute Eltern und Großeltern. Aber nicht in Fahrgemeinschaften, sondern jeder einzeln für sich allein.
Letztlich wäre uns das egal…wie gesagt uns war klar, dass es eben zu gewissen Stoßzeiten auch ein höheres Verkehrsaufkommen gibt und wir sind einfach auch der Meinung, dass jeder sein Leben so leben soll, wie er mag. Selbiges gilt natürlich auch für die Kindererziehung!
Das Verständnis hört allerdings auf, wenn man uns für dumm verkaufen will oder sich einfach nur unmöglich benimmt.
So ist es z.B. mehrfach vorgekommen, dass wir nicht mehr aus unserer Einfahrt gekommen sind, weil diese als Parkplatz genutzt wurde. Richtig blöd wird es, wenn die Eltern/Großeltern gar nicht mehr im Auto sitzen, sondern irgendwo vor der Schule stehen und quatschen, bzw. in der Schule drin sind. Oder einfach so tun, als würden sie uns nicht sehen/hören.
Anfangs haben wir es mit viel gutem Zureden versucht und haben uns fast noch dafür entschuldigt, dass wir zur Arbeit oder einkaufen (etc.) mußten.
Nachdem wir dann aber von einigen Eltern dumm angemacht worden sind, bin ich jedes Mal im Auto sitzen geblieben und habe wie wild gehupt, bis jemand gekommen ist und das Auto weggefahren hat. Und da war es mir dann auch total egal, dass sich unter Umständen ein ewig langer Rückstau gebildet hatte.
Gerade Mittags war es oft besonders schlimm…die Eltern haben hier beide Straßenseiten komplett zu geparkt. Da aber immer wieder Eltern kommen und fahren und natürlich auch der normale Straßenverkehr noch durch will, war es schlimmer als in einem Ameisenhaufen.
Da stehen Eltern gegenüber der Schule und brüllen ihre Kinder an, dass sie sich beeilen sollen, man müsse ja noch zum Ballett/zur Musikstunde/zum Reiten/zum Fussball und rudern hektisch mit den Armen. Und die Kinder sind so verschreckt, dass sie ohne großartig zu gucken, schnell zu ihren Eltern laufen wollen. Da bringt man sein Kind in so eine Gefahr, nur weil man selbst keinen Meter zu viel laufen will??
Selbst der Polizist, der vor allem am Anfang des Schuljahres mit den 1.Klässlern den „sicheren“ Schulweg übt, hat über so ein Verhalen immer nur den Kopf geschüttelt.
Am Schlimmsten sind aber die Eltern, die sich dann auch noch ungerecht behandelt oder angegriffen fühlen, wenn man sie drauf hinweist, dass sie ja in unserer Einfahrt stehen und man da jetzt gerne raus oder rein möchte.
„Ja wo soll ich denn sonst parken?“, “ Früher war das kein Problem.“, „Ich warte hier auf mein Kind.“ , „Herzchen geh einfach wieder rein und kümmer dich um den Haushalt, das könnt ihr Frauen eh am Besten.“ ist nur eine kleine Auswahl der Kommentare, die man da so zu hören gekriegt hat.

Aber nicht nur wir und die Nachbarn haben uns über solche Eltern geärgert….auch die Lehrer und Mitarbeiter der Ganztagsbetreuung haben sich beschwert, weil sie morgens keinen Parkplatz auf dem Lehrerparkplatz gefunden haben, weil auch hier Eltern geparkt hatten. Teilweise wurden die Lehrer/Mitarbeiter der Ganztagsbetreuung mittags auch einfach zugeparkt, weil man ja nur schnell sein Kind abholen wollte. Auch hier wurde auf mehreren Schulversammlungen mit den Eltern geredet. Es wurde nochmal gesagt, dass es wichtig ist, dass Schulkinder sich im Straßenverkehr zurecht finden und das der Schulweg eine ideale Übungsstrecke wäre, weil wir hier eben auf dem Dorf wohnen und „normalerweise“ kein großer Verkehr vor der Schule ist. Sie sollten einfach etwas weiter weg parken und dann gemeinsam mit den Kindern laufen oder aber die Kinder selbst gehen lassen. Tja aber auch das hat nicht gefruchtet.

Unsere Nachbarn haben uns dann irgendwann erzählt, dass der Direktor der Schule beim Dorfverein war und dort bei einem Treffen angekündigt hat, dass vor der Schule bald Halteverbotsschilder aufgestellt werden, weil das alles zu gefährlich ist.
Und im April war es dann so weit…man kommt von der Arbeit nach Hause und auf einmal stehen da die Schilder. 🙂

Gut es hält immer noch nicht alle Eltern ab dort zu parken…aber der Großteil hält sich wirklich dran und so ist die ganze Situation viel entspannter geworden. Klar Mittags ist immer noch viel los hier, aber man muß sich wenigstens keine allzu großen Gedanken mehr machen, dass eins der Kinder einfach über die Straße rennt und angefahren wird.
Im Juni war Schulfest und es war wirklich viel los…sprich alle regulären Parkmöglichkeiten waren irgendwann auch erschöpft. Da hat dann jemand bei uns geklingelt und gefragt, ob er sich in unsere Einfahrt stellen darf, weil er keinen Parkplatz findet. Noch ist die Einfahrt ja sehr groß, weil unsere Nachbarn(zur Rechten) bald anfangen zu bauen und dann eben auch Baufahrzeuge einfach rein und raus kommen müssen…war also überhaupt kein Problem.
Aber ich glaub das war der erste, der überhaupt gefragt hat, ob das okay wäre. 😀

Post vom Amt für Natur und Umwelt

Anfang Mai haben wir Post vom Kreisumweltamt bekommen.
Leider keine erfreuliche Post, sondern eine Anzeige.
Wir haben erstmal ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut, als wir den Brief gelesen haben. Mal abgesehen davon, dass er in so typischem Amtsdeutsch verfasst worden ist (Paragraph xyz, Absatz bla bli blubb und siehe Paragraph abc ….), haben wir auch überhaupt nicht verstanden, warum wir diesen Brief bekommen haben.
Wir sind angezeigt worden, weil wir angeblich 10m der „schützenswerte Hecke“ gerodet haben! Und das ist in der Vogelschutzzeit vom 1. März bis 30. September natürlich streng verboten und wird mit einer Geldbuße von bis zu 30.000 € geahndet! 😯

Da ich (die Bauherrin) wohl genetisch bedingt einfach der emotionalere Part bin, habe ich mir sofort mein Telefon geschnappt und bei der Dame, die die Anzeige verfasst hat, angerufen.
HIMMEL…was für ein Gespräch! Mal abgesehen davon, dass die gute Frau überhaupt nicht wußte, wovon ich spreche, obwohl sie den Brief doch erst einen Tag vorher aufgesetzt und abgeschickt hatte, machte sie auf mich einen generell sehr überforderten Eindruck. Sie konnte anfangs weder mit unserem Namen, noch mit dem „Fall“ an sich etwas anfangen.
Ich habe ihr gesagt, dass wir nicht verstehen, was diese Anzeige soll, immerhin wären wir laut Bebauungsplan dazu verpflichtet eine Weißdornhecke zu pflanzen. Ursprünglich stand hier wohl vor Jahren mal eine Hecke, aber da es sich hier mittlerweile nur noch um Brennesseln und Brombeersträucher handelt, haben wir diese jetzt entfernt, um dann eben Weißdorn neu anzupflanzen.
Bebauungsplan?? Was für ein Bebauungsplan?? 😡 Ich dachte, ich höre nicht richtig! Sollte man sich nicht vorab einfach mal genauer informieren, bevor man Anzeigen verschickt???
Da sie aber wohl am Telefon nicht mehr dazu sagen konnte oder wollte, hat sie dann nur gesagt, wir hätten ja das Recht uns zu äußern und dann würde der Fall geprüft.
Ja das steht auch in dem Brief…so ähnlich zumindest.
Ungefähr so muss die Hecke vor Jahren ausgesehen haben, bevor die Grundstücke zum Verkauf standen:

(c) Google Maps

(c) Google Maps

Der Bauherr hat sich dann hingesetzt und einen 4 seitenlangen Brief mit Fotos verfasst. Glücklicherweise hatten wir ja im April 2013 jede Menge Fotos gemacht, als hier die Kanalarbeiten (ebenfalls in der Vogelschutz-Periode) begonnen haben und sowohl Hecke, als auch Straße schwer beschädigt wurden. Diese Bilder haben wir damals an die Stadt geschickt, damit hinterher niemand sagen kann, wir hätten da irgendwas zerstört. Damals haben wir mehr an die Straße gedacht und nicht an die Hecke! Glücklicherweise haben wir aber sogar noch die Eingangsbestätigung vom Amt.
Damals sahen Straße und „schützenswerte Hecke“ so aus:


Da in diesem Frühjahr auf unserer Straßenseite Halteverbotsschilder aufgestellt worden sind (dazu vielleicht später auch nochmal mehr) und ich so begeistert war, habe ich diese sofort fotografiert und dem Bauherren geschickt. Auf diesen Fotos kann man sehr gut erkennen, in welchem Zustand die „Hecke“ war. Gräser, Disteln, Brennesseln und einige vertrocknete Brombeersträuche. So konnten wir ziemlich detailiert aufzeigen, dass es zumindest auf unserem Teil keine schützenswerte Hecke gibt/gab und wir auch keine Behausungen für brütende Vögel zerstört haben.
Angeblich gerodete Hecke
Am nächsten Tag haben wir den Brief sofort beim Umweltamt eingeschmissen…man will  ja schließlich keine Frist versäumen. 🙂
Anfang der Woche haben wir dann nochmal bei der Dame angerufen, weil wir wissen wollten, ob sie den Brief bekommen hat und evtl. noch weitere Unterlagen braucht. Tja…die Dame war nur leider nicht zu erreichen. Die war nämlich im Urlaub! Ähm ja und wieso hatte sie davon am Freitag nichts am Telefon gesagt, bzw. wieso setzt sie uns eine Frist von einer Woche, wenn sie selbst 2 Wochen im Urlaub ist??? Schlimmer fand ich allerdings, dass es zwar eine Vertretung gab, die aber in einer ganz anderen Abteilung tätig war und somit auch nicht wusste, worum es ging, bzw. auch gar nicht wusste, wie das jetzt weiter geht. Sie hat uns dann vertröstet und meinte, sobald der Brief da wäre, würde sie sich alles mal durchlesen und sich dann mal melden. Das hatte sie wohl in dem Moment vergessen, als sie den Hörer aufgelegt hat. 😉

Während wir auf Antwort vom Amt gewartet haben, hat das ganze Thema natürlich auch hier die Runde gemacht. Viele haben gesagt, dass wir sie gerne als Zeugen benennen dürfen, dass hier die letzten drei-vier Jahre keine Hecke gestanden hat, sondern nur Unkraut gewuchert ist und man doch froh sein sollte, wenn wir jetzt endlich eine richtige Hecke pflanzen, die dann auch wirklich verschiedenen Vögeln und Tieren Schutz bieten kann.
Dieser Rückhalt war vor allem für mich eine große Erleichterung. Die Anzeige selber, war laut Amt nämlich anonym! Klar, ob das wirklich so ist oder der „Anzeigenden“ nur geschützt werden sollten, das weiß man nie. Aber ich habe mich wirklich gefragt, wer uns da einen auswischen wollte.
Wir kommen beide selber aus kleinen Dörfern, kennen das Landleben also. Aber bevor man da zum Amt gerannt ist, hat man erstmal miteinander gesprochen. Hat die Leute versucht auf ihre Fehler aufmerksam zu machen, bzw. hat auch erstmal nachgefragt, ob das alles so richtig ist. Der Gang zum Amt wäre immer erst der aller letzte Schritt gewesen, wenn die Fronten total verhärtet gewesen wären.
Allerdings wissen wir auch, dass es hier im Dorf Menschen gibt, die das neue Baugebiet nicht so gerne gesehen haben. Aber ist sowas gleich ein Grund für so viel Ärger??
Oder hat irgendein städtischer Mitarbeiter gesehen, dass da was gemacht wurde, dann mal beim Amt nachgefragt und die haben sich dann einfach der Bilder von google maps bedient und darauf hin diese Anzeige geschrieben. Blöd nur, wenn diese Bilder von 2007 sind!

Wie auch immer es zu dieser Anzeige gekommen ist…Dank unseres ausführlichen, mit Fotos übersätem Brief, konnten wir beweisen, dass wir keine Hecke zerstört haben, sondern nur die Fläche vor unserem Haus von Unkraut befreit haben, um jetzt dann alles zeitnah zu bepflanzen…wie im Bebauungsplan gefordert. Anzeige fallen gelassen. 🙂

Verfahren eingestellt

So ungefähr sah es bis vor 2 Wochen aus:Unkraut weg!Wir haben nicht nur die „immense“ Menge an Brombeeren (siehe Markierung) entfernt und klein geschnitten, sondern auch ca. 20m an Stacheldraht, die selbe Menge an Weidezaundraht, eine Tonne voll Müll (Flaschen, Becher, Dosen, etc.), diverse alte Holzzaunpfosten und eine Bordsteinkante heraus geholt. Der „Hügel“ soll jetzt zum Haus bzw. zur Zufahrt hin mit L-Steinen gestützt werden. Danach wollen wir, wie im Bebauungsplan vorgegeben und ähnlich wie es unsere Nachbarn schon getan haben, neu mit Weißdorn bepflanzen.

In der Zeit zwischen Anzeige und „Erlösung“ haben wir natürlich erst einmal nicht weiter gemacht…. ob das für die Natur zum Vorteil lassen wir an dieser Stelle einfach unbeantwortet…