Fotovoltaik Erfahrungsbericht

Wie bereits vor langer Zeit in einem vorherigen Beitrag geschrieben, haben wir hinsichtlich unserer Fotovoltaik einige Erfahrungen gemacht, die wir Euch nicht vorenthalten wollen.

Wir wurden relativ häufig gefragt, ob sich eine Fotovoltaik-Anlage überhaupt lohnen würde. Viele waren, spätestens beim Punkt „Batteriespeicher“, extrem skeptisch und haben uns vorgerechnet, dass sich diese Investition rechnerisch nicht lohnen würde.

Die Frage, ob sich ein Batteriespeicher bzw. Fotovoltaik allgemein überhaupt rechnet, können wir hier nicht abschließend klären, da es hierfür schlichtweg zu viele Variablen gibt, die man in die Rechnung einbeziehen müsste. Z.B. was kostet der Spaß (Erstinvestition), Höhe der Einspeisevergütung, Höhe Eigenverbrauch, Stromverbrauchszeiten, Zinsen, Wirkungsgrad der Komponenten, Degradation der PV-Module, Entwicklung des Strompreises, Entwicklung des Stromverbrauchs, etc.

Um es abzukürzen: ich glaube nicht, dass man die Rechnung so gestalten kann, dass man sagen kann, dass es sich lohnt oder eben nicht.
Allerdings war das für uns noch nicht einmal der entscheidende Faktor. Uns war es salopp gesprochen nicht so wichtig, ob die Gesamtinvestition am Ende ein paar tausend € höher ausfällt oder nicht. Uns war es wichtig, die laufenden Kosten möglichst gering zu halten.
Außerdem war unser Niedrigenergiehaus in Kombination mit der Fotovoltaik-Anlage für uns ein kleiner Beitrag zum umweltbewußten Wohnen. Und nicht zu vergessen, man ist unabhängiger von irgendwelchen Stromanbietern und deren Preispolitik.

Unsere Fotovoltaik-Anlage liefert (rechnerisch) maximal 6.000 Watt. Durch die Aufteilung der Module auf beide Dachhälften und die 30° Abweichung der größeren Fläche von der optimalen Südausrichtung, kommen wir nur im Hochsommer in die Nähe der 6.000 Watt.
Andererseits haben wir im „Normalmodus“ einen recht geringen Stromverbrauch.  Im „Ruhemodus“ zieht unser Haus (je nachdem ob die Kompressoren in Kühlschrank / Gefrierschrank laufen) 70 bis 150 Watt aus der Steckdose bzw. dem Batteriespeicher.
Den höchsten Verbrauch haben wir natürlich dann, wenn Backofen / Herd an sind, die Spülmaschine läuft, die Waschmaschine die Kochwäsche bearbeitet oder der Staubsauger die Katzenhaare jagt. Da nehmen wir gerne auch mal 3.000 Watt aus dem Stromnetz.
Beim Krimi am Abend, wenn TV, SAT-Receiver und Computer laufen, dann „braucht“ das Haus ca. 400 bis 500 Watt.
In der Regel „verbrauchen“ wir unter der Woche ca. 5 kWh pro Tag und 7-10 kWh am Samstag und Sonntag (Waschmaschine, Staubsauger, Playstation 😉  ).

Unser Batteriespeicher kann max. 5,8 kWh „puffern“; d.h. im besten Fall kommen wir einen Tag und eine Nacht ohne einen einzigen Sonnenstrahl aus 🙂
Realistischer ist aber die Annahme, dass man durch den Batteriespeicher den Eigenverbrauch erhöht und die Unabhängigkeit („Autarkie“) vom Stromlieferant steigert.

Leider wurde unser Batteriespeicher bei der Installation im Frühjahr 2014 falsch angeschlossen, was wir erst im Sommer bemerkten. Der Fehler wurde im Oktober 2014 behoben. Der Fehler bewirkte, dass der Batteriespeicher zwar geladen wurde, aber nie Strom abgegeben hat. 🙁
Doofe Situation, aber so haben wir jetzt Vergleichswerte zwischen „mit Batterie“ und „ohne Batterie“

Zusammengefasst:

  • Ohne Batterie und ohne Verbraucher, die nach dem Sonnenstand ein- oder ausgeschaltet werden, hatten wir einen Autarkiegrad im Bereich von 15 bis 20 Prozent!
  • MIT korrekt angeschlossenem Batteriespeicher haben wir einen Autarkiegrad von 49,8% im Februar 2015, 71,3% im März, 89,4% im April und im Mai bislang 99,7%

Ergo: wenn der Batteriespeicher funktioniert, dann kommen wir seit Mitte April, dank ausreichender Helligkeit am Tag, mit dem gespeicherten Strom auch über die Nacht und brauchen keinen Strom von den Stadtwerken.
Das Ganze läuft so, dass man in der Regel mit einem 100% geladenen Akku in den Abend geht. Wenn die Leistung, die vom Dach kommt  langsam nach lässt, übernimmt der Batteriespeicher und gleicht die Differenz aus. In der dunklen Nacht kommt sämtlicher Strom aus der Batterie. Aus technischen Gründen (die 3 Phasen müssen ausgeglichen sein), liefert die Batterie mehr Strom als man braucht, so dass man auch ein paar Watt ins Netz einspeist.
Wir finden es klasse! 😀

Hier ein paar bunte Bilder:

Autarkie im April PV-Leistung im April Batterieladezustand am 1. Mai

Beim Thema Fotovoltaik gibt’s natürlich auch einige Punkte, die man beachten muss:

  • Je später man seine Anlage bei der Bundesnetzagentur registriert, desto niedriger ist die Einspeisevergütung. Wir erhalten noch 14,54 Cent pro kWh.
    Wer heute anmeldet, bekommt nur noch 12,50 Cent pro kWh.
  • Beim Bezug von Strom zahlt man natürlich etwas mehr pro kWh, da man nur ein Geringabnehmer ist. Wir zahlen beim Strombezug stolze 31,5 Cent pro kWh.
  • Unser Batteriespeicher gönnt sich alle 10 bis 15 Tage eine so genannte Ausgleichsladung; d.h. die Akkus werden „bis zum Anschlag“ geladen um die ursprüngliche Kapazität wiederherzustellen und um sicherzustellen, dass die zu erwartende Lebensdauer (2500 Batteriezyklen) erreicht wird.
    Während der Ausgleichsladung wird von der Batterie kein Strom abgegeben; d.h. reicht die Eingangsleistung am Tag nicht aus um die Ausgleichsladung zu beenden, dann liefert die Batterie in der Nacht keinen Strom.
  • Vom 01.12. bis 31.01. wird der Akku nicht entladen, um zu vermeiden, dass die Akkus aufgrund fehlender Sonne längere Zeit halb entladen bleiben, was die Akkus schädigen würde.
  • Jeder Batteriespeicher hat eine maximale Leistung, die geliefert werden kann. Bei uns sind das 2700 Watt. Wer Nachts gerne Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine und Staubsauger zeitgleich laufen lassen möchte, der sollte bedenken, dass alles was über 2700 Watt hinaus geht aus dem Netz gezogen wird.
  • Wer keinen Batteriespeicher einsetzt bekommt ggf. die Auswirkung der 70/30-Regel zu spüren. Manche Stadtwerke wollen dann, dass der Wechselrichter so konfiguriert wird, dass max. 70% der Peak-Leistung ins Netz eingespeist werden.
    Der Rest wird, wenn er nicht verbraucht wird, zu Wärme und nicht zu Geld.
  • Die meisten Batteriespeicherlösungen sind KEINE Insellösung; d.h. bei einem Stromausfall ist es auch bei uns dunkel – egal wie voll die Batterie ist!
    Die Hersteller haben zwar eine weitere Komponente im Portfolio, die das Problem lösen würde, allerdings darf man dafür wieder eine größere Anzahl Scheinchen auf den Tisch legen. Lohnt sich unserer Meinung nach nicht!

Zu den monetären Fakten:
Im letzten Jahr haben wir für unseren Strom 728€ bezahlt und für die Einspeisung 437€ erhalten. Bleibt eine Differenz von 291€ oder pro Monat ca. 25€

Eigentlich ganz schön unfair, wenn man bedenkt, dass wir, im Vergleich zum bezogenen Strom, fast doppelt so viel eingespeist haben. Ergo: wir gehen davon aus, dass wir im aktuellen Jahr wesentlich weniger einspeisen, dafür einen höheren Eigenverbrauch haben und weniger Strom einkaufen müssen.

Wir halten Euch auch im nächsten Jahr auf dem Laufenden, ob sich hier etwas verbessert hat.
Weiteres Verbesserungspotential ist jedenfalls vorhanden: mit den Verbrauchswerten aus 2015 und dem geplanten Kaminofen werden wir abwägen (und ausrechnen), ob es Sinn macht den zweiten Zähler für den Wärmepumpentarif entfernen zu lassen und die Wärmepumpe über das ganz normale Stromnetz laufen zu lassen. Dann hängt die Wärmepumpe ebenfalls an der Batterie und sorgt ggf. dafür, dass die knapp 6 kWh Kapazität nicht ausreichen um über die Nacht zu kommen, aber dafür spart man sich die Zusatzkosten für den zweiten Zähler.
Und die Mehrkosten pro kWh für „normalen“ Strom im Vergleich zum Wärmepumpentarif, fangen wir ggf. damit auf, dass wir durch den gestiegenen Strombedarf aus dem Kleinstabnehmertarif herausrutschen.
Im Zweifelsfall müssen wir die Anlage auf dem Dach doch von 6 auf 10 kWp aufrüsten und einen zweiten Batteriespeicher in den Technikraum stellen 😛