Terrasse in Eigenregie

Nachdem Sockel und Spritzschutz am Haus fertiggestellt wurden, sollte das Projekt Terrasse in Angriff genommen werden. Eine WPC-Terrasse sollte es werden. So viel war recht bald klar. Wieso?
Eine gepflasterte Terrasse, wie es der Garten- & Landschaftsbauer, der unseren Aushubberg verteilt hat, empfohlen hatte, kam für uns nicht in Frage. Das geht zwar schnell und ist unkompliziert, aber es gefällt uns einfach nicht.
Wenn es nach dem Bauherren ginge, dann hätten es auch Natur- oder Feinsteinzeugplatten sein können. Hier griff jedoch das Veto-Recht der Bauherrin.
Also kam das Thema „Holz“ auf den Tisch. Allerdings scheint es bei Naturholz so zu sein, dass man bei preislich akzeptablem Material mehrfach im Jahr pflegend eingreifen muss. Ansonsten splittert das Holz, graut aus und wittert sehr schnell.
Wenn man darauf verzichten möchte, dann bleiben eigentlich nur die Thermo-Esche, sibirische Lärche, Bangkirai oder andere Tropenhölzer. Sibirische Lärche und Tropenhölzer kommen für uns grundsätzlich nicht in Frage. Das deckt sich einfach nicht mit unserer Einstellung!
Und bei Thermo-Esche landet man dann sehr schnell bei 100 – 120 € pro m². Allein für das Deck. Ohne Unterkonstruktion und Co. lägen wir dann bei unserer ca. 45m² großen Terrasse bereits bei knapp 5.000€ – die Summe wollten wir eigentlich für das komplette Projekt in die Hand nehmen!
Also sind wir beim WPC gelandet. Zuerst natürlich beim billigen WPC, das man an allen Ecken und Ende und auch im Internet bekommt. Da werden Preise im Bereich von 25 € pro m² aufgerufen. Klingt verlockend, läuft aber meistens auf „wer billig kauft, kauft zweimal“ hinaus.
Für uns kam Hohlkammer-WPC nicht in Frage, da hier ein Gefälle von 2-3% zwingend erforderlich ist. Beachtet man dies nicht, beeinträchtigen Regen- und Kondenswasser die Haltbarkeit der Dielen und die Lebensdauer sinkt beträchtlich. Da unsere längste Seite der Terrasse stolze 9m lang ist, hätten wir einen Höhenunterschied von 20cm. 😕
Um es abzukürzen: wir haben uns für 20,5cm breite Vollprofil-WPCs-Dielen entschieden. Bei der Unterkonstruktion haben wir auf WPC verzichtet und stattdessen das nur unwesentlich teurere Aluminium gesetzt. Aus Haltbarkeits- und Stabilitätsgründen. Im Nachhinein würde ich sagen: die richtige Entscheidung, aber mit sehr viel Arbeit verbunden!

Aber von Vorne:
Nachdem wir unserem recht feuchten Garten eine Drainage spendiert haben (Ups, da gibt’s ja auch noch gar keinen Artikel zu 🙁  ), haben wir den Bereich der Terrasse gleich mit gemacht und ebenfalls einige Meter Drainagerohre verlegt. Stauwasser vom Haus fern zu halten hat oberste Priorität.

Die nächsten Schritte lassen sich in wenige Worte fassen. Eigentlich schade, denn das spiegelt in keinster Weise die Arbeit wieder, die darin steckt. Die einzelnen Schritte wären: Höhen errechnen und (z.B. an den Randsteinen) anzeichnen. Schotter möglichst eben verteilen und mit der Rüttelmaschine abrütteln. An dieser Stelle vielleicht noch der Tipp, dass man den Schotter vorher nass macht. Staubt weniger und die kleinen und größeren Bestandteile es Schotters verbinden sich besser. Wie lange man rütteln muss, ist von der Beschaffenheit des Untergrunds abhängig. An manchen Stellen habe ich (gefühlt) stundenlang gerüttelt. An anderen Stellen war das Ergebnis bereits nach 7-8 Überfahrten bestens.
Am Ende sollte alles +/- 3 cm eben sein.
Diese Unebenheiten werden am Ende mit einer ca. 3-5cm dicken Schicht Edelsplitt (2-5mm) ausgeglichen.
Im nächsten Schritt wird das Splittbett mit Hilfe mehrere Stahlrohre und einer ca. 2m langen Wasserwage gerade abgezogen. An dieser Stelle haben wir gleich ein minimales Gefälle mit eingebaut, so dass die 9m lange Seite ungefähr halbiert wird. Am Ende soll das Regenwasser zur Hälfte zur einen und zur Hälfte zur anderen Seite ablaufen.
Danach haben wir noch ein mittleres Unkrautvlies aufgebracht, bevor die Unterkonstruktion in Angriff genommen wurde.
Hierzu wurden 30x30cm große und 4cm dicke und sehr günstige Betonplatten in parallelen Reihen verlegt. Der Abstand der Reihen hängt vom später verwendeten Terrassenmaterial und der zu erwartenden Belastung ab.
Wir haben die Unterkonstruktion im Abstand von 30cm verlegt und zwischen den Auflageflächen 30cm, überbrückt. Klingt furchtbar kompliziert, ist aber total easy: parallel zum Haus eine Reihe Platten, dann eine Reihe frei lassen und dann kommt die nächste Reihe. Da kommt einiges an Steinchen zusammen. Wir hatten uns eine Palette (144 Stück) liefern lassen und mussten am Ende noch mal 60 Steinchen per Auto abholen 😉
Das sieht am Ende ungefähr so aus:
UK-Steinchen-1 UK-Steinchen-2Ist dieser Schritt erledigt, kann als nächstes die Alu-Unterkonstruktion aufgelegt und verschraubt werden.
Die Liste der Vorteile der Alu-Unterkonstruktion ist lang (witterungsbeständig, kann durch so genannte Verbinder quasi unendlich verlängert werden, etc.). Es gibt aber auch einen Nachteil: bei Holz oder WPC reicht es die Löcher vorzubohren. Will man die Alus mit den Betonsteinen verbinden, dann muss man entsprechend vorbohren und jedes einzelne Loch mit einem Kegelsenker so bearbeiten, dass die verwendete Schraube bündig abschließt. Letztendlich sollen die Dielen ja eben auf der Unterkonstruktion aufliegen und keine störende Schraubenköpfe im Weg sein.
Wo jetzt das Problem ist? Die Masse macht es! Am Ende wurden ca. 200 Löcher in die Alus gebohrt. 50 davon waren für die Katz‘ (weil falsch angezeichnet). Hinzu kamen ca. 150 Löcher, die in die Betonsteine gebohrt werden mussten, 150 Dübel und 150 5x70er Edelstahlschrauben.
Die 2,90m langen Alus haben wir, bei Bedarf, mit der Handsäge gekürzt. 2-3 Minuten sägen pro Alu. Hätten wir sicher auch mit der Kappsäge machen können, aber wir wollten das Sägeblatt nicht ruinieren.
Die Befestigung der Alus ging nur mühsam voran. Man muss ja auch immer aufpassen wo man hintritt. Sonst war die vorherige Arbeit mehr oder weniger umsonst.
Zwischenzeitlich sah die Baustelle so aus:
UK-Alus-reichen-nichtWährend der Arbeiten mit den Alus, ist uns irgendwann aufgefallen, dass die Anzahl nicht stimmt. Da hatten wir (also WIR und der Angebotsprüfer vom Lieferant) uns wohl verrechnet. Also kam es zu einer weiteren Verzögerung. Die Arbeiten ruhten, bis die letzten Alus und Verbindungsstücke eintrafen. Die Tage wurden kürzer und der Oktober neigte sich schon dem Ende entgegen. Aber dann traf die lange ersehnte Lieferung ein:
UK-Alus-geliefertDamit konnte die Unterkonstruktion fertig gestellt werden. Ein schönes Gefühl, wenn man nach einigen Tagen, an denen man nur mit Alu-Stangen und Schrauben hantiert hat, endlich das eigentliche Obermaterial in die Hand nehmen kann.
Die WPC-Dielen mussten natürlich auch in der Länge gekürzt werden. Da waren wir echt froh, dass wir eine ordentliche Kapp- und Gehrungssäge im Haus hatten. An dieser Stelle einen lieben Gruß an den Bruder des Bauherren 🙂
Mit diesem Werkzeug konnten die 21mm dicken und 205mm breiten Dielen problemlos und sauber geschnitten werden. Der Schnitt war so sauber, dass wir nicht erkennen konnten welche Seite die geschnittene Seite war, was nicht irrelevant ist, da das WPC eine Verlegerichtung hat.
WPC-geschnitten-1 WPC-geschnitten-2Und dann war es endlich soweit: die ersten Dielen waren verlegt und fest verschraubt. Mit Blick auf den großen Berg an Dielen, die noch in der Garage „warteten“ war uns klar, dass es erst ein Anfang war, aber immerhin! Und für die Motivation in kühler und dunkler werdenden Herbsttagen war dieser Anblick auch sehr dienlich:
WPC-erste-Dielen-liegenWeiter geht’s am Wochenende … mit der Fertigstellung der Terrasse 🙂

 

 

4 Gedanken zu „Terrasse in Eigenregie

    • Puh, schwer zu sagen! Das liegt einerseits daran, dass wir die Zeiten nicht wirklich notiert haben und auch daran, dass wir es in „unserem Tempo“ gemacht haben. Letzteres war, zugegeben, nicht immer auf das eigentliche Ziel ausgerichtet. Zwischenzeitlich mussten wir z.B. die gemeinsame Zufahrt, die wir uns mit dem Nachbarn teilen, frei räumen, da dessen Baubeginn kurz bevor stand und wir noch die Palette mit den Betonsteinen für die Unterkonstruktion dort abgestellt hatten. Also durften wir die netten Steinchen 2x in die Hand nehmen und durch die Gegend tragen.
      Sagen wir’s mal so: manchmal war jede Ablenkung willkommen.

      Insgesamt sind 3 Urlaubstage, 3 Wochenenden und einige Stunden (nach der Arbeit) drauf gegangen. Gerade die Stündchen nach der Arbeit (bis kein Licht mehr da war), waren wenig produktiv, da man das ganze Werkzeug erst heranholen muss um es 2 oder maximal 3 Stunden später wieder wegräumen zu dürfen.
      Ich versuche es trotzdem mal. Gehen wir mal davon aus, dass sich der Schotter schon an der richtigen Stelle befindet und ungefähr eben ist:
      0,5 Tage um den Schotter mit der Rüttelplatte zu verdichten (inkl. Transport der Rüttelplatte)
      2,5 Tage um den Split (Hauseinfahrt) mit der Schubkarre hinters Haus zu karren, dort zu verteilen, eben abzuziehen und das Unkrautvlies auszurollen
      1,0 Tag um die Betonsteine der Unterkonstruktion zu platzieren (ohne das ebene Splittbett wieder zu zertrampeln)
      1,5 Tage um die Alu-Unterkonstruktion in die korrekte Länge zu bringen, die Löcher für die Schrauben zu bohren und mit dem Kegelsenker zu bearbeiten
      2,0 Tage um die Alus punktuell mit den Betonsteinen zu verschrauben
      0,5 Tage um die Terrassenstelzlager im Bereich des Spritzschutzes anzubringen
      3 bis 4 Tage um die WPC-Dielen mit der Unterkonstruktion verschrauben
      0,5 Tage für die restlichen Arbeiten wie überstehende Randsteine kürzen, überstehende Alus kürzen. Letzte Reihe Dielen verschrauben.
      Macht in Summe 11,5 bis 12,5 Manntage.

      ABER: erstens würde ich sagen, dass Experten das Minimum in der Hälfte der Zeit schaffen. Schon alleine deshalb, weil sie das richtige Werkzeug haben und damit umgehen können. Und durch Synergien können 2 oder 3 Mann natürlich schneller arbeiten als jemand, der das Meiste alleine macht.

      Ich würde direkt darauf tippen, dass eine professionelle Firma bei unserer Terrasse 5-6 Manntage ansetzen würde. Also so Pi mal Daumen 40 – 50 Stunden. Bei einem Stundensatz von 45€ wären das um die 2.000 €
      Mehr haben wir bestimmt auch nicht gespart, allerdings sind wir sicher, dass es sehr schwer geworden wäre, einen Terrassenbauer zu finden, der unseren Wunsch umsetzt und nicht nur „sein Ding“ macht.

  1. Hallo, die Terrasse ist sehr schön geworden. Sie haben die längste Seite 9 Meter nach links und rechts abfallen lassen. Mit wie viel Prozent Gefälle haben Sie das realisiert und fällt es sehr auf wo die Bretter in der Mitte aufeinander treffen?

    Gruß Weber

    • Hallo,
      ups … jetzt ist der Kommentar schon über einem Monat alt 🙁 Sorry …
      Wir haben das Gefälle relativ gering gehalten. Der höchste Punkt der Terrasse ist im Bereich, in dem der Erker beginnt. Also nicht ganz die Mitte.
      Von dort geht das Gefälle keine 2% nach links und nach rechts.
      Der höchste Punkt der Terrasse wurde absichtlich „in der Mitte“ gewählt, da wir anderenfalls einen Höhenunterschied von 15-20cm hätte. Das wollten wir dann doch nicht.
      Vom Rand bis zur höchsten Stelle dürften es jetzt 7-8 sein. Das reicht auch um das Wasser abfließen zu lassen.
      Zumindest bei WPC … keine Ahnung ob das bei Holz ebenfalls ausreichen würde.

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