Bauantrag einreichen: Ja? Nein? Vielleicht?

Oder: die immer wieder abwechslungsreiche, kurzweilige und wendungsreiche Geschichte über Bauherren, die eigentlich „nur“ einen Bauantrag im so genannten beschleunigten Verfahren (Genehmigungsfreistellung) einreichen wollen.

Unsere ursprüngliche Zeitplanung sah vor, dass wir den Bauantrag noch im Jahr 2012 einreichen. Da wir uns komplett den Vorgaben des Bebauungsplans „unterwerfen“, könnten wir den Bauantrag in Form einer Genehmigungsfreistellung einreichen.
Für alle Bauherren außerhalb von NRW: in diesem Verfahren muss man nicht auf die explizite Baugenehmigung durch die prüfenden Instanzen warten, sondern man erhält mehr oder weniger automatisch 4 Wochen nach Eingang der Bauunterlagen bei der Behörde die Baugenehmigung. Es sei denn diese findet innerhalb der 4-Wochenfrist einen Grund den Bebauungsplan abzulehnen.

Klingt doch alles ganz einfach! Unterlagen zusammenstellen, vollständig einreichen, 4 Wochen warten, Korken knallen lassen…

DAS war die Theorie! Jetzt zu unserer Praxis:
Das Jahr 2012 ging vorüber ohne dass wir alle Unterlagen beisammen hatten. Letztendlich scheiterte es nach Aussage unserer Architektin an den fehlenden Grundstücksplänen mit Höhen.
Kurz vor Weihnachten war es dann soweit: wir trafen uns zur finalen Besprechung der Unterlagen. Diese sollten uns dann noch in 2012 zugeschickt werden, damit wir diese einreichen können. Vielleicht sogar noch im Dezember.
Die Unterlagen waren in der Post und auf dem Weg zu uns, allerdings fehlten noch die Pläne vom offiziellen Vermessungsingenieur. Die Aufgabe lautete also: Brief öffnen, Unterlagen unterschreiben und an die Architektin zurücksenden.
Aber … die Post hatte anscheinend etwas dagegen und stellte unseren Brief, der am zwischen Weihnachten und Neujahr eingeworfen wurde, erst in der 2. Kalenderwoche 2013 zu. Wer meint das wäre schon ein Drama, der liegt falsch. Das Drama fängt jetzt erst an!

Der eintreffende Brief war uns mittlerweile egal, da wir uns in der Zwischenzeit schon mit unserer Architektin getroffen hatten und mit ihr alles gemeinsam ausgefüllt hatten. Die Pläne vom Vermesser waren allerdings immernoch nicht eingetroffen.
Letztendlich mündete alles in einem Telefonat zwischen Architektin und Vermesser. Dieser meinte es gäbe da wohl irgend eine Änderung bezüglich unserer Ausfahrt. So wie wir unsere Ausfahrt gestalten wollen wäre es wohl nicht mehr möglich.

Zur Erinnerung: der Bebauungsplan sieht für unser Grundstück vor, dass wir uns die Zufahrt zur öffentlichen Straße mit unserem südlichen Nachbarn teilen. Auf dem Plan sieht das ungefähr so aus:

Grundstück auf Lageplan

Jetzt erzählt uns der Vermessungsingenieur dass diese Pläne nicht mehr korrekt wären.
Nach mehreren Telefonaten zwischen dem Veräußerer der Grundstücke, dem Vermessungsingenieur und unserer Architektin war klar: alles falsch! Es bleibt so wie geplant.
Der benötigte Lageplan wird unserer Architektin kurzfristig zugeschickt.

Noch bevor dieser Plan bei uns einging klingelte mein Handy. Herr B., der Verkäufer des Grundstücks und unser Ansprechpartner wollte wissen wie weit wir mit unseren Bauvorhaben sind. Die Stadt Holzwickede (???) hätte eine Änderung des Bebauungsplans. Jetzt soll jedes Grundstück eine eigene Ausfahrt erhalten, die mittig zur Straßenseite gelegen ist.
Bitte?!?

Also … bimmelim … mal wieder unsere Architektin angerufen und sie verrückt gemacht. Dann hat Tini noch den Bauservice der Stadt Unna verrückt gemacht.
Was das für ein (emotionales) Chaos das war muss ich wohl nicht erkären.

Hintergrund: unsere Doppelgarage ist ungefähr dort geplant, wo im obigen Plan das kleine Recheck vor dem Haus eingezeichnet ist. Mit der Einfahrt in Richtung Süden.
Jetzt stelle man sich mal eine 3m breite Ausfahrt in der Mitte eines 18m breiten Grundstücks vor an dessen vorderer, linken Ecke eine 6m „tiefe“ Garage steht. Das würde bedeuten, dass man von der Mitte der Einfahrt bis zur Garage stolze 3m zum „einlenken“ zur Verfügung hätte. Und das mit einem Auto mit 13m Wendekreis. Sorry, das würde nicht funktionieren.
Also was tun? Garageneinfahrt nach vorne verlegen? Dumm gelaufen: der Grünstreifen darf nur auf 3m „unterbrochen“ werden. Bei einer 6m breiten Garage wäre das witzig. Man könnte also die gesamte Bebauung nach „hinten“ verschieben. Das hätte dann aber zur Folge, dass hinter dem Haus weniger Garten wäre als vor dem Haus. Nicht ganz das, was wir vor hatten.
Alternativ kann man natürlich eine Art Rangierbahnhof vor dem Haus einplanen. Nach 3 Mal Vor- und Zurücksetzen hätte man die richtige Position erreicht und könnte in die Garage fahren. Ne, ernsthaft: das will doch keiner!

Also haben wir beim Bauservice nachgefragt und einen provisorischen Plan geschickt: für jeden, der nur kurz darüber nachdenkt wäre das Sinnvollste eine Befreiung von der Festlegung der Position der Zufahrt gewesen. Mal ehrlich: wen interessiert denn ob die 3m breite Einfahrt bei 6, 9 oder 12m der Breite des Grundstücks liegt?
Um es abzukürzen: wir leben ja nicht umsonst in Deutschland.
Oder anders formuliert: so ein Wunschkonzert ist in Deutschland natürlich nicht möglich!

Mittlerweile haben wir erfahren was hinter der ganzen Geschichte zu stecken scheint: für das südlich gelegene Grundstück scheint es Interessenten zu geben. Allerdings wollen die Interessenten kein Transitgrundstück über das ihre nördlich- und südlich gelegenen Nachbarn müssen um auf die Straße zu gelangen.
Merkwürdig nur, dass man für derartige Interessen eine Änderung des Bebauungsplans beantragen kann. Die Befreiung von der Festlegung der Position der Einfahrt ist aber indiskutabel. Der aufmerksame Leser merkt an dieser Stelle erneut: unser Grundstück liegt in der Bürokratischen Republik Deutschland 😉
Heutiger Stand: Vom Verkäufer der Grundstücke liegt dem Bauservice der Stadt nur eine informelle Anfrage vor, ob es überhaupt machbar wäre bei den Einfahrten etwas zu ändern. Trotzdem wurde es uns von diesem so verkauft, dass das quasi schon fix wäre und wir unseren Antrag nicht einreichen können.
In unseren Augen alles sehr fragwürdig und hat uns in den letzten Tagen viele Nerven gekostet.

Das vorläufige Ende vom Lied: es scheint wohl darauf hinaus zu laufen, dass wir eine gemeinsame Einfahrt mit den südlichen Nachbarn erhalten werden. Davon sollen wohl 50% auf unserem Grundstück liegen und die weiteren 50% auf dem Nachbargrundstück. Aber was jetzt Sache ist weiß kein Mensch.

Um überhaupt irgendwie weiter zu kommen haben wir beschlossen unseren Bauantrag trotz der unklaren Situation einzureichen. Denn: der uns vorliegende Bauantrag ist die aktuell gültige Fassung. Was irgendwann und irgendwie mal sein wird? Wer soll das wissen? Und vor allem wer weiß wie lange es dauert bis das mal klar ist!
Mal sehen wohin das führt…

5 Gedanken zu „Bauantrag einreichen: Ja? Nein? Vielleicht?

  1. Ach du meine Güte! Da denkt man, man ist ENDLICH soweit und kann alles einreichen und dann sowas =( Ich hoffe, dass ihr eure Genehmigung bald erhalten werdet und diese Änderung das jetzt nicht verzögert.

    Mir sind in den paar Monaten, bei denen bei uns alles drunter und drüber ging, auch echt graue Haare gewachsen. Aber sowas macht einen nur stärker! Das merkt man allerdings erst, wenn der ganze Kram vorbei ist 😉

    Liebe Grüße
    von Franzi

  2. Uah, so ein Durcheinander! Jetzt hoffe ich mal, dass das Bauamt die informellen Anfragen ignoriert und euch das genehmigt, was ihr möchtet (und was ja eigentlich schon immer feststand). Es kann ja nicht sein, dass ihr auf eventuelle Käufer Rücksicht nehmen müsst, die womöglich im schlimmsten Fall noch vom Kauf des südl. Grundstückes abspringen…

  3. Oh man,
    das ist ja mal wieder typisch!!!
    Aber wehe wir Bauherren fragen eine Änderung nur an! Da geht gleich richtig was ab.
    Bei uns im Baugebiet gibt es genau vier Grundstücke. Alle vier waren inkl. unserem reserviert und alle wollten ein Zeltdach mit 22° Dachneigung bauen.
    Im Bebauungsplan von 2000 stand jedoch 35 – 40° und Walmdach.
    In unser Umgebung gibt es nicht einmal ein Haus mit Walmdach… Aber egal alle fragten an und versuchten über die Dächer in der Umgebung und die Tatsaxhe, dass alle vier Partein das gleiche Dach haben wollten zu argumentieren.
    Originalton Stadt Dortmund: „Sie können ja klagen dann bauen Sie dieses Jahr aber mal nicht mehr und wir sind sowieso am längeren Hebel und wenn ich das nicht will dann ist das so.“
    Klasse, macht Sinn!!!
    Unseren neuen Nachbarn wurde kurz vor dem notar-Termin auch gesagt, dass man das Grundstück noch verschieben will und sie deshalb keinen eigenen Kanalanschluss haben und den der Nachbarn nutzen sollten. ISt ja auch kein Problem, aber dann die Frechheit als Verkäufer zu haben und zu sagen, ja wenn dann aber was am Kanal ist zahlen Sie das, ist schon Frech.
    Aber so ist das mit den lieben Verkäufern und der Stadt.

    Wird schon alles schief gehen bei euch. Freuen uns schon wenn ihr mal vorbeischaut bei uns.
    Gruß Daniel

  4. Tja leider gab es heute eine Hiobsbotschaft nach der anderen :(.
    Sind derzeit etwas ratlos und fragen uns, wie sowas eigentlich möglich ist und wieso sich der kleine Bürger eigentlich immer an alle Gesetze, Fristen und Pläne halten muß, aber die Stadt selbst, kann willkürlich handeln.
    Morgen bitte Daumen drücken…stehen wichtige Gespräche an….!

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